Die meistgesuchte Frage zu penpal ist weltweit nicht Wie finde ich einen? Sondern, in einem Dutzend Sprachen: Was heißt das Wort eigentlich? – penpal ne demek, penpal adalah, penpal перевод, penpal traduction. Erst stolpert man über das englische Wort, dann sucht man die Idee dahinter in der eigenen Sprache.
Hier also die Idee in zehn Sprachen. Und danach die spannendere Frage: Wie schreibst du eigentlich jemandem, dessen Sprache du nicht sprichst?
Das Wort für Brieffreund in zehn Sprachen
- 中文 – 笔友 (bǐyǒu, „Federfreund“)
- Español – amigo por correspondencia oder einfach penpal
- Português – amigo por correspondência; in Brasilien correspondente
- Bahasa Indonesia – sahabat pena („Federgefährte“)
- Français – correspondant, correspondante
- Deutsch – Brieffreund, Brieffreundin (der Name sagt es: Freund per Brief)
- Italiano – amico di penna, amica di penna
- 日本語 – ペンパル (penparu) oder 文通相手 (buntsū aite, „Briefpartner“)
- 한국어 – 펜팔 (penpal)
- Türkçe – mektup arkadaşı („Brieffreund“, Wort für Wort wie im Deutschen)
Fällt dir was auf? Die eine Hälfte sagt Freund, die andere Briefpartner. Beides stimmt. Eine Brieffreundin ist eben eine Freundin, die du nur aus Briefen kennst.
Warum sich eine Brieffreundschaft in einer Fremdsprache lohnt
Der naheliegende Grund: Du übst die Sprache. Wer das schon mal gemacht hat, nennt dir aber den eigentlichen: Eine zweite Sprache macht ehrlich. In einer Sprache, die du nur halb beherrschst, kannst du nicht glänzen. Du kannst nicht herumeiern, dich nicht inszenieren, keinen Absatz schreiben, der gut klingt und nichts sagt. Du kannst nur geradeheraus sagen, was ist – und genau dafür ist ein Brief ja da.
Und noch etwas: Wer dich in Übersetzung liest, bekommt mehr von deinem Rhythmus mit als von deinem Wortschatz. Ob du lang schreibst oder kurz, ob du zum konkreten Detail greifst, ob du einen Satz früh enden lässt: Das alles übersteht die Übersetzung. Deshalb bringt Kindredly Briefe nicht nach Sprache zusammen, sondern nach Schreibstil. Die Technik dahinter erkennt in allen zehn Sprachen, die sie beherrscht, wie ein Text gebaut ist. Und wen sie zusammenbringt, klingt oft ähnlich – auch ohne ein einziges gemeinsames Wort.
So schreibst du jemandem, der deine Sprache nicht lesen kann
Schreib kurze Sätze. Nicht einfache Gedanken – kurze Sätze. Ein Satz mit zwölf Wörtern übersteht jede Übersetzung, ob von Mensch oder Maschine. Ein Schachtelsatz mit vierzig Wörtern und drei Nebensätzen kommt als Buchstabensuppe an.
Schreib über Dinge. Der Wasserkocher, das Fenster, das Brot. Konkretes lässt sich übersetzen. Abstraktes („Ich fühl mich in letzter Zeit irgendwie haltlos“) klingt am anderen Ende nur noch merkwürdig. Statt zu schreiben, dass du dich haltlos fühlst, beschreib lieber, was du um 2 Uhr nachts gemacht hast. Was haltlos heißt, versteht dein Gegenüber dann von allein.
Lass Redewendungen weg, behalt die Witze. „Es regnet Bindfäden“ kommt drüben als Paketschnur an. Ein Witz, der von etwas handelt – vom Nachbarn, von der Schlange beim Bäcker, vom Stuhl –, kommt dagegen heil an. Der Witz steckt ja in der Situation, nicht in den Wörtern.
Versteck die Übersetzung nicht. Ideal ist, wenn beides zu sehen ist: der Brief, wie er geschrieben wurde, und der Brief in Übersetzung – und wer liest, zwischen beiden hin- und herschalten kann. Ein Brieffreund aus Japan, der unter der Übersetzung dein deutsches Original sieht, lernt mit jedem Brief dazu. Du auch. Liegt bei Kindredly ein Brief auf deinem Schreibtisch, dessen Sprache du nicht liest, kommt er mit einem Übersetzen-Button. Das Original bleibt immer nur einen Fingertipp entfernt und wird nie ersetzt.
Frag nach Wörtern. Wie heißt in deiner Sprache das Gefühl am Sonntagabend? gehört zu den besten Fragen unter Brieffreunden – und funktioniert nur über Sprachgrenzen hinweg. (Hier gibt's noch mehr Fragen.)
Der Fehler, den du dir sparen kannst
Schreib nicht in der Sprache deines Gegenübers, wenn du die Antwort darin nicht lesen kannst. Klingt großzügig, führt aber zu einem seltsamen Briefwechsel: Du schreibst mühsam auf Japanisch, die Antwort kommt im selben Japanisch – und du kannst nicht lesen, was drinsteht. Schreib lieber in deiner eigenen Sprache, überlass den Rest der Übersetzung und sag gleich im ersten Brief, dass du es so machst. Alle lesen lieber deine echten Sätze in Übersetzung als vorsichtig zusammengebaute in ihrer eigenen Sprache.
Noch ein Wort zu Japanisch
Japanese penpal gehört zu den meistgesuchten Begriffen rund um Brieffreundschaften und verdient eine eigene Anmerkung. Die japanische Briefkultur hat ihre eigenen Regeln – Grüße zur Jahreszeit, eine Höflichkeitsform, die sich danach richtet, wie nah man sich steht. Ein erster Brief von einer fremden Person, der all das ignoriert, kann schroff wirken. Die Grammatik kriegen Übersetzungsprogramme hin. Die Umgangsformen nicht. Zwei Dinge helfen: Fang mit dem Wetter bei dir an (in japanischen Briefen ist das kein Smalltalk, sondern der Türöffner) und halt den ersten Brief kurz und bei einer einzigen Sache. Das gilt praktischerweise für jeden ersten Brief, in jeder Sprache. (So kann das aussehen.)
Probier's aus – ganz unverbindlich
Auf dem Schreibtisch liegen heute fünfzehn Briefe. Lies einen übersetzt. Schalt aufs Original um. Fühlt sich der Rhythmus an wie deiner, hat die Sprache nie eine Rolle gespielt.