Das Penpal-Buch: Dathan Auerbachs „Penpal“ ohne Spoiler – und neun ähnliche Bücher

Eine Reddit-Horrorgeschichte, aus der ihre Leserschaft per Crowdfunding einen Roman gemacht hat. Dazu die anderen Bücher namens Pen Pal und neun weitere, in denen die Geschichte in Bruchstücken bei dir ankommt.

OKT 10 · 2026 · 8 Min. Lesezeit#buchtipps#horror#booktok

Wer „Penpal Buch“ sucht, landet bei zwei bekannten Romanen. Um den ersten geht es hier vor allem: Penpal von Dathan Auerbach, ein Horrorroman, der sich viel Zeit lässt. Er begann 2011 als Reihe von Reddit-Posts, wurde von seinem Publikum über Kickstarter finanziert, erschien 2012 im Selbstverlag und taucht auf Horror-BookTok immer wieder auf.

Der andere ist Pen Pal von J.T. Geissinger, eine Dark Romance. Falls du eher an den Brief eines Häftlings gedacht hast: Das Buch kommt weiter unten. Alles auf dieser Seite ist spoilerfrei, und bei Penpal ist das wichtiger als sonst.

Was Penpal ist

Alles beginnt in einer Vorschulklasse. Die Kinder binden Briefe an Heliumballons und lassen sie fliegen, in der Hoffnung, dass irgendwer irgendwo einen findet und zurückschreibt. Mit jeder Antwort, die eintrifft, wird auf einer Landkarte im Klassenzimmer markiert, wie weit der Ballon gekommen ist. Ein sanfter Anfang für einen Horrorroman, und das ist durchaus gewollt.

Der Mann, der erzählt, ist inzwischen erwachsen. Er versucht, sich einen Reim auf seltsame, beängstigende Dinge aus seiner frühen Kindheit zu machen – Dinge, über die ihm seine Mutter die Wahrheit vorenthalten hat. Der Reihe nach erzählt er sie nicht. Er greift eine Episode heraus, dann eine andere, und dazwischen liegen Jahre. Nach und nach sehen Vorfälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun hatten, wie Teile einer einzigen Geschichte aus.

Der Titel kann in die Irre führen: Penpal ist kein Briefroman. Penpal ist Englisch für Brieffreund, und gemeint sind die Brieffreunde aus dem Ballonprojekt. Das Buch selbst besteht aus Erinnerungen in der Ich-Form, aufgeteilt in sechs Teile. Jeder spielt in einem anderen Abschnitt der Kindheit des Erzählers, und jeder trägt noch den Titel des Reddit-Posts, aus dem er entstanden ist: Footsteps, Balloons, Boxes, Maps, Screens, Friends. Die englische Wikipedia nennt das Buch einen Horror-Suspense-Roman, und das trifft es ziemlich gut: langsam aufgebaut, mit Wurzeln in Creepypastas, den Lagerfeuergeschichten des Internets.

Woher das Buch kommt

Im Herbst 2011 postete ein Reddit-Nutzer namens 1000Vultures eine Geschichte mit dem Titel „Footsteps“ auf r/nosleep. In diesem Forum werden Horrorgeschichten erzählt, als wären sie wirklich passiert, und alle spielen mit. Eigentlich war „Footsteps“ als abgeschlossene Geschichte gedacht. Doch das Forum wollte mehr, fünf weitere Teile folgten, und noch vor Jahresende hatte The NoSleep Podcast die Geschichten für seine erste Staffel vertont.

Im April 2012 startete Auerbach, der Autor hinter 1000Vultures, eine Kickstarter-Kampagne, um aus den Geschichten einen Roman zu machen. Sein Ziel: 1.500 $. Innerhalb eines Monats kamen über 15.000 $ zusammen, mehr als das Zehnfache. Er überarbeitete die sechs Geschichten, verknüpfte sie, baute sie zu einem Buch aus und brachte es noch im selben Jahr selbst heraus – unter einem eigenen Verlagsnamen, der ebenfalls 1000Vultures heißt.

2012 wurde eine Option auf die Filmrechte vergeben. Angekündigt ist seitdem kein Film. Soweit wir das herausfinden konnten, ist das Buch bis heute nur auf Englisch erschienen.

Warum es auf BookTok auftaucht

Die Penpal-Videos, die wir gefunden haben, stammen aus den Jahren 2023 bis 2025: Rezensionen, Empfehlungen nach dem Motto „Das musst du lesen“ und ein Horror-BookTok-Account, der einen Ausschnitt aus seinem Interview mit Auerbach teilt und ihn dabei den „author of the iconic Penpal“ nennt. Auf Goodreads hat das Buch knapp 70.000 Bewertungen.

Dass es so gut in dieses Format passt, hat Gründe, für die man nichts von der Handlung verraten muss. Die Geschichte hinter dem Buch ist fast so gut wie das Buch selbst: ein Reddit-Post, den die eigene Leserschaft per Crowdfunding zum Roman gemacht hat. Es ist kurz, als Taschenbuch rund 240 Seiten. Und am besten fängst du es an, wenn du fast nichts darüber weißt. Das passt zu einem kurzen Video, das im Grunde nur sagt: Vertrau mir. Falls du es lesen willst: Lies es, bevor du irgendetwas anderes darüber liest – auch den Wikipedia-Eintrag und die Kommentare unter diesen Videos.

Die anderen Pen Pals

Pen Pal – J.T. Geissinger (2022). Das zweite große Buch mit diesem Titel – und ein völlig anderes: Dark Romance statt Horror. Am Tag, an dem eine Witwe ihren Mann beerdigt, kommt ein Brief von einem Mann, den sie nie getroffen hat und der in einem Staatsgefängnis sitzt. Die Briefe werden immer intimer. Der Verlag nennt es eine BookTok-Sensation, und auf Goodreads hat es mehr als dreimal so viele Bewertungen wie Auerbachs Roman. Es enthält explizite Sexszenen, und der Verlag listet Inhaltswarnungen auf. Anders als Penpal wurde es auch übersetzt: in Brasilien als Pen Pal (Editora Arqueiro), in Portugal als Além das Palavras, in Italien als Ti aspetterò per sempre, in Frankreich als Le prisonnier. Ende 2025 ist es unter demselben Titel auch auf Deutsch erschienen, bei Bramble (Droemer Knaur), übersetzt von Nadine Mutz. Hat dir jemand von „dem Pen-Pal-Buch“ erzählt? Gut möglich, dass dieses gemeint war.

Pen Pals – Alexandra Pichard (2017). Ein Bilderbuch. Die Ameise Oscar und der Oktopus Bill werden über die Schule Brieffreunde, und ihre ganze Geschichte steckt in den Briefen, die sie sich schreiben.

Pen Pal – Francesca Forrest (2013). Eine Zwölfjährige aus einer schwimmenden Siedlung vor der Golfküste schickt eine Flaschenpost los. Die landet bei einer politischen Aktivistin, die über einem See aus flüssiger Lava gefangen gehalten wird. Erzählt in Briefen, Tagebucheinträgen, Zeitungsartikeln und geheimen Regierungsmemos.

Dear Pen Pal – Heather Vogel Frederick (2009). Der dritte Band der Reihe The Mother-Daughter Book Club, für jüngere Leserinnen und Leser: Der Club liest Daddy Langbein, und die Mädchen bekommen Brieffreundinnen aus einem anderen Mutter-Tochter-Buchclub in Wyoming.

Neun Bücher wie Penpal

Nicht alle davon sind Briefromane – Penpal ist ja auch keiner. Gemeinsam haben sie, dass die Geschichte in Bruchstücken bei dir ankommt: Tagebücher, Zeichnungen, Akten, der Papierkram anderer Leute. Einen Teil setzt du selbst zusammen.

Seltsame Bilder – Uketsu (2022). In der Form am nächsten dran. Mehrere unheimliche Geschichten, jede um Zeichnungen herum gebaut. Sie scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, bis sie am Ende ineinandergreifen. Das Buch hat sich mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft und wurde in über dreißig Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschien es 2025 als HEN NA E – Seltsame Bilder (übersetzt von Heike Patzschke), auf Englisch im selben Jahr als Strange Pictures.

A Head Full of Ghosts – Paul Tremblay (2015). Eine Frau erinnert sich an die Zeit, als ihre Familie die scheinbare Besessenheit ihrer vierzehnjährigen Schwester für eine Reality-Show filmen ließ. Was sie einer Autorin erzählt, die ein Buch über den Fall schreibt, wechselt sich mit den Beiträgen eines Blogs über die Sendung ab. So wägst du ständig ab: hier ihre Erinnerung, dort das, was aufgezeichnet wurde. Ausgezeichnet mit dem Bram Stoker Award für den besten Roman. Auf Deutsch heißt es A Head Full of Ghosts – Ein Exorzismus.

Dracula – Bram Stoker (1897). Der Urahn aller Horrorromane, die aus Dokumenten bestehen: Briefe, Tagebücher, Zeitungsausschnitte, ein Schiffslogbuch. Verängstigte Menschen setzen zusammen, was mit ihnen geschieht, ein Schriftstück nach dem anderen.

Carrie – Stephen King (1974). Kings erster Roman. Immer wieder unterbrechen Berichte und Auszüge die Erzählung, grob chronologisch geordnet, als versuchte eine ganze Stadt noch immer zu erklären, was damals passiert ist. Viele dieser Dokumente hat King erfunden, um aus einer Kurzgeschichte einen Roman zu machen – auch das hat es mit Penpal gemeinsam.

Das Haus (House of Leaves) – Mark Z. Danielewski (2000). Eine Familie stellt fest, dass ihr Haus innen größer ist als außen. Davon erzählt ein Manuskript, das nach dem Tod seines Verfassers gefunden wurde – vergraben unter Fußnoten, ergänzt um Briefe der Mutter des Finders, auf Seiten, die du zum Lesen manchmal drehen musst. Meist wird es als Horror eingeordnet. Für alle, die gern selbst nachgraben.

Wir müssen über Kevin reden (We Need to Talk About Kevin) – Lionel Shriver (2003). Erzählt in Briefen einer Mutter an ihren Mann, während sie versucht, den gemeinsamen Sohn zu verstehen. 2005 gewann der Roman den Orange Prize. Wieder ein verstörender Blick zurück auf eine Kindheit, diesmal aus Sicht der Mutter. Inhaltshinweis: Im Mittelpunkt steht ein Amoklauf an einer Schule.

Auslöschung (Annihilation) – Jeff VanderMeer (2014). Das Feldtagebuch einer Biologin auf der zwölften Expedition nach Area X, einem Küstenstreifen, der seit Jahrzehnten für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Die Expeditionen davor haben kein gutes Ende genommen. Langsames, schleichendes, vieldeutiges Grauen, aufgeschrieben in der Ich-Form. Ausgezeichnet mit dem Nebula Award und dem Shirley Jackson Award.

Devolution – Max Brooks (2020). Eine abgelegene Öko-Siedlung im pazifischen Nordwesten der USA ist plötzlich von der Welt abgeschnitten, als der Mount Rainier ausbricht. Den größten Teil erzählt das wiedergefundene Tagebuch einer Bewohnerin, zwischen den Einträgen stehen Interviews und Recherchen. Der Trick ist derselbe, auf den auch Penpal mit seinen r/nosleep-Wurzeln setzt: Das Unglaubliche soll wirken, als wäre es belegt.

Die Aufführung (The Appeal) – Janice Hallett (2021). Ein Krimi aus E-Mails, Nachrichten, Briefen und Dokumenten, durch die sich zwei junge Juristen arbeiten müssen – und du mit ihnen. Für alle, denen das Rätsel wichtiger ist als der Grusel. Auf Deutsch erschien es zuerst als Mord zwischen den Zeilen.

Wer mehr von Auerbach lesen will: In seinem zweiten Roman, Bad Man (2018), sucht ein junger Mann seit fünf Jahren nach seinem kleinen Bruder, der in einem Supermarkt verschwunden ist. Aus Dokumenten gebaut ist das Buch nicht, aber es stammt vom selben Autor.


Falls du eigentlich andere Briefe gesucht hast

Wer bei „Penpal Buch“ auf etwas Warmherziges gehofft hat: Unsere Liste mit zwölf Briefromanen beginnt mit The Correspondent von Virginia Evans.

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Kindredly ist ein kleines Zimmer, in dem sich Fremde Briefe schreiben. Keine Profile, keine Gesichter – zusammengebracht werden sie nach ihrem Schreibstil.

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